Bol.com oder Amazon: es ist eine der am häufigsten gestellten Fragen unter (neuen) Online-Verkäufern in den Niederlanden. Seit Amazon.nl im März 2020 online ging, haben niederländische Unternehmer zwei vollwertige Marktplätze zur Verfügung. Amazon.nl ist inzwischen kein Neuling mehr: beide Plattformen sind etablierte Spieler mit jeweils eigenen Stärken. In diesem Artikel vergleichen wir bol und Amazon in den Punkten, die für dich als Verkäufer wirklich zählen: Reichweite, Kosten, Logistik und Konkurrenz.
Marktplatz-Reichweite in den Niederlanden und Belgien
Bol ist bereits seit Jahren der größte Online-Marktplatz in den Niederlanden und Belgien. Um dies zu illustrieren: im Jahr 2023 erzielte bol einen Umsatz von über 4 Milliarden Euro, während Amazon.nl bei etwa 1,2 Milliarden Euro blieb. Für einen großen Teil der niederländischen Verbraucher ist bol immer noch der Startpunkt für die Suche nach einem Produkt, und die Plattform ist vollständig auf den niederländischen und belgischen Markt ausgerichtet.
Amazon.nl hat sich seit dem Launch fest in der niederländischen E-Commerce-Landschaft etabliert und wächst stetig. Der große Vorteil von Amazon ist das internationale Netzwerk: mit einem Verkaufskonto kannst du relativ einfach auf Marktplätze wie Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien expandieren.
Zusammengefasst: wenn du die maximale Reichweite in den Niederlanden und Belgien erreichen möchtest, ist bol der stärkste Kanal. Wenn du von Tag eins an international denken möchtest, bietet Amazon den kürzesten Weg zu mehreren europäischen Ländern.
Kostenstruktur: wie verdienen die Plattformen an dir?
Beide Plattformen berechnen eine Provision pro verkauftem Produkt: in der Regel ein fester Betrag plus ein Prozentsatz des Verkaufspreises, der je nach Kategorie variiert. Die genauen Tarife ändern sich regelmäßig, daher solltest du immer die aktuellen Provisionstabellen von bol und Amazon überprüfen, bevor du deine Margen berechnest. Die wichtigsten strukturellen Unterschiede:
- Bol: keine festen monatlichen Kosten. Du zahlst nur Provision, wenn du tatsächlich etwas verkaufst. Das macht bol leicht zugänglich, um zu starten.
- Amazon: Wahl zwischen einem individuellen Plan (du zahlst pro verkauftem Artikel, 0,99 Euro pro Stück) und einem professionellen Plan mit einem festen Monatsbetrag von 39 Euro. Darüber hinaus zahlst du Verweisungskosten pro Verkauf, für die meisten Kategorien zwischen 8% und 15% des Verkaufspreises.
Welche Struktur vorteilhafter ist, hängt stark von deiner Kategorie, deinem Preis und deinem Volumen ab. Rechne daher immer beide Szenarien mit deinen eigenen Zahlen durch.
Logistik: Logistik via bol (LvB) vs. Fulfillment by Amazon (FBA)
Beide Plattformen bieten eine Fulfillment-Lösung, bei der sie den Lagerbestand, die Versandabwicklung, die Retouren und den Kundenservice für dich übernehmen. Bei bol heißt dies Logistik via bol (LvB), bei Amazon Fulfillment by Amazon (FBA).
LvB ist vollständig auf die Benelux-Region ausgerichtet: dein Lagerbestand liegt nahe bei deinen Kunden und deine Produkte erhalten eine erhöhte Sichtbarkeit innerhalb der Plattform. FBA hingegen glänzt durch seine internationale Reichweite: dein Lagerbestand kann von mehreren europäischen Verteilzentren aus verkauft und versendet werden. In beiden Fällen zahlst du Lager- und Versandkosten pro Artikel, und bei langfristig gelagerten Beständen steigen die Kosten. Eine gute Lagerverwaltung ist daher auf beiden Plattformen essentiell für deine Marge.
Konkurrenz und Preisdruck
Auf beiden Marktplätzen ist die Konkurrenz in den letzten Jahren gestiegen. Bei A-Marken und generischen (White-Label-)Produkten siehst du oft mehrere Anbieter unter der gleichen EAN, die sich gegenseitig auf den Preis konkurrieren. Auf Amazon kommt hinzu die internationale Dimension: du konkurrierst auch mit erfahrenen FBA-Verkäufern aus ganz Europa und darüber hinaus.
Die Lektion gilt auf beiden Plattformen: wer nur auf Preis konkurriert, verliert auf lange Sicht. Sei einzigartig in deinem Sortiment, baue eine eigene Marke auf und sorge für starke Listings und Bewertungen. So unterscheidest du dich nachhaltig von Resellern, die mit identischen Produkten den Preiskampf aufnehmen.
Wo startest du am besten als niederländischer Verkäufer?
Für die meisten startenden Verkäufer in den Niederlanden ist bol der logische Startpunkt: die Plattform ist niederländischsprachig, hat niedrige Kosten und du bist direkt auf dem Marktplatz, auf dem niederländische und belgische Konsumenten am meisten kaufen. Hast du auf bol einmaal ein rentables Sortiment und Prozesse, die stehen, ist Amazon ein starker zweiter Schritt, um international zu expandieren.
Und denke daran: es ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Die größten Unternehmer haben eine Sowohl-als-auch-Mentalität und verkaufen letztendlich auf beiden Plattformen. Fang aber nicht auf zwei Plätzen gleichzeitig an; baue erst einen Kanal gut aus.
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